Berg, Alban: Briefe an Rudolf Kolisch. Wien, 24.10.1930
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Ansonsten:wie gerne möchte ich mit Dir plaudern,aber ich komme ja nicht
weg aus meinem selbstgewählten Exil.
Sei herzlichst gegrüßt (auch Frau Josy,wenn sie in Wien ist)
von Deinem alten
Berg
9.) Brief vom 6.März 1934 aus dem Waldhaus.
Kolisch-Quartett
Meine Lieben,mit der Genfer Aufführung der lyrischen Suite habt Ihr mir
eine Riesenfreude gemacht.Ich hörte glänzend u.war auch über die Begleit-
umstände:die schöne Einleitungsrede u.den großen Applaus,sehr beglückt.Seid
tausendmal bedankt!
Aus einem Brief des Washingtoner Nationalbibliothek entnehme ich,
daß Ihr im April 1935 in USA sein werdet. -- Endlich,endlich,ich freue mich
wahnsinnig!
Und schließlich noch etwas das Quartett betreffende:Lualdi (Milano)
schreibt mir eben:"Was das Kolischquartett betrifft,hoffe ich,die Gelegenheit
zu haben, die Herrn,die in den nächsten Tagen in Italien für eine Kon-
zertreise sein werden,zu treffen und eventuell die Aufführung Ihres Werkes zu
besprechen.Ich bitte Sie also meine näheren Nachrichten noch zu erwarten".
Und nun fleh ich Euch an,macht es,wenn nur irgendwie möglich,(cresc.)
möglich ,daß Ihr bei der Biennale im Sept.mein Stück spielt.Das Gegenteil wäre
eine unbeschreibliche Enttäuschung für Euren Euch alle 4 umarmenden
Berg
10.) Brief vom 12.Dezember 1934 aus Wien.
Wo bist Du mein Lieber? Wie geht's Euch?
Hier sind unruhige Tage.Nun muß sich's entscheiden,wer hier Opern-
direktor wird.Hoffentlich Kleiber.
Die Lulustücke waren in Berlin (bei scheinbar glänzender Aufführung) ein
großer Publikumserfolg u.3/4 der Presse schrieb sogar gut.Leider hat die Auf-
führung mitgeholfen (indem man zu der Furtwängler-Hindemithaffaire eine
Kleiber-Berg Affaire konstruierte) den ganzen Wirbel zu entfachen.Aber viel-
leicht sagen wir einmal statt "Leider":Gott sei Dank!
Ich hätte Dir viel zu erzählen.Namentlich über die ganz schiefe Haltung
Furtwänglers,der meine Aufführung mit allen ,u.mit den schäbigsten Mitteln
verhindern wollte.
Ich war natürl.nicht in Berlin.
Seid allerherzlichst gegrüßt
von Eurem
Berg