Berg, Alban: Briefe an Rudolf Kolisch. Wien, 24.10.1930
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so oft ausgedrückt,daß ich es Dir gegenüber fast vergaß!!!) u.Euer neuerli-
ches Eintreten für meine lyr.Suite,nunmehr in USA.Du weißt,wie sehr ich es mir
seit bald 10 Jahren gewünscht hatte,daß Ihr,u.nur Ihr dieses Quartett in USA s
spielen möget.Und nun ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.Auch Dein Lob
des Stokowsky-Orchesters freut u.beruhigt mich sehr,denn Du kannst Dir denken,
mit welcher Angst ich dieser Aufführung -- nach dem,was man über Stokowski
hört! -- entgegensah.
Nun hoffe ich im September diese "Symphonischen Stücke" doch einmal
direkt zu hören:Beim Karlsbader Musikfest (2.9. - 10.9.),wo ich als Delegier-
ter der öster.Sektion anwesend sein werde. -- Wirst Du auch dort sein?Das
wäre nett!
Wo seid Ihr im Sommer? In meiner Nähe? Vielleicht kommt Ihr heuer doch
wieder einmal vorüber:das Waldhaus ist nach wie vor meine Freude.Und das
Violinkonzert,das ganz gut gedeiht,könnte ich Dir auch zeigen u.Dich manches
fragen:immer mehr sehe ich,daß ich von diesem Musikinstrument --vielleicht--
die Musik,aber keineswegs das Instrument kenne.
Daß Dir der Verkauf der Part.der lyr.Suite nicht gelungen ist,tut mir natür-
lich sehr leid. Bitte behalte die Sache im Auge:ich muß leider immer
mehr damit rechnen,denn die Aussichten für mich in Oesterreich werden mit
jedem Tag (ich übertreibe nicht:mit jedem Tag!) schlechter.
Hoffentlich erreicht Dich mein Brief und erreichen Euch,Dich und Frau auch
unsere herzlichsten Grüße!
Dein Berg
17.) Karte vom 20.Juli 1935 vom Waldhaus
Wo bist Du mein Lieber? Wo kann ich Dich brieflich erreichen? Ich ver-
suchte es einmal mit einem langen Brief per Adresse Fr.Kuhner,Wien.Hast Du den
erhalten? Hoffentlich!;denn was würdest Du sonst von mir_denken u.davon,daß ich
Deinen lieben Brief aus USA unbeantwortet gelassen hätte. Also bitte ein
Lebenszeichen! Nach Einlangen schreib ich Dir dann ausführlich.(Komposition
des Violinkonzerts beendet.)
Allerherzlichst Dein Berg
18.) Brief vom 13.August 1935 vom Waldhaus.
Mein lieber Rudi,Dein lieber Brief hat mich von einer schon wochen- ja
monatelangen Bangigkeit erlöst.Wie Du aus beiliegender Karte ersiehst (26.3.)
--,(die ich erst kürzlich zurück bekam!)geht meine vergebliche Suche nach Dir
schon weit zurück. Wie freue ich mich,daß meine "toi toi toi's" von damals
sich so herrlich erfüllt haben und sich,wie Deine Beilage zeigt (N.Y.Programm
1936) noch weiter erfüllen.Daß davon auch ich wieder ein so schönes Stück
abbekomme (lyr.Suite am 4.2.36) freut mich natürlich ganz besonders u.ich