Christel, Franz: Brief an Hermine Keim. Wien, 12.12.1920
Wären die Eisenbahnpreise nicht
gar so hoch, so würde ich zu den Feiertagen
eine Fahrt ins Salzkammergut wagen,
um über all die Dinge, die uns gemein=
sam beschäftigen, mit Ihnen, hochgeehrte
gnädige Frau, zu sprechen. Es ist nicht
leicht, brieflich alles, was Ihnen der Auf=
klärung bedürftig erscheint, zu bedenken.
Im mündlichen Verkehre ließe sich jede Frage,
die etwa noch unberührt wäre, sofort
beantworten, so daß kein lästiger Zweifel
übrig bliebe. Kann sein also, daß mein
Schreiben Sie nicht zu befriedigen vermag.
In diesem Falle muß das Vertrauen, das
Sie mir und den anderen Herren entgegen=
gebracht haben, hinweghelfen. Früher war
es einfacher, es zu rechtfertigen. Wenn wir
darauf auch weiterhin bauen, so bedeutet dies,
daß wir trotz aller Schwierigkeiten nicht ver=
zagen.
Mit dem Ausdrucke
vorzüglicher Hochachtung und Handkuß
Franz Christel
Die besten Empfehlungen von meiner Frau.
Die Rekommandation ist keine Versicherung der Briefe –
auch die gewöhnlich frankierten kommen an