Christel, Franz: Brief an Hermine Keim. Wien, 2.3.1919
Wien, am 2. März 1919
Hochgeehrte, gnädige Frau!
Zuvor bitte ich um Verzeihung, daß ich erst
nach einer langen Woche zur Erwiderung Ihres
mich und meine Frau gleicherweise anregenden
Schreibens komme.
Ihre wirtschaftlichen Sorgen scheinen uns
in der Tat sehr gewichtig zu sein und wir wa-
ren beide aufrichtig bestrebt, ein Auskunfts-
mittel ausfindig zu machen, um Ihre Lage
zu erleichtern. Das war die Ursache, daß ich
nicht schon früher Antwort gegeben habe.
Da ich mich heute endlich dazu anschicke, be-
daure ich herzlich, daß es uns leider nicht
gelungen ist, eine Reis= oder Griesquelle
oder eine Stelle zum Bezuge von Kondens-
milch zu ermitteln. Ich spähe übrigens noch
immer nach einem solchen Orte aus und
sollte ich Glück haben, so werde ich nicht
säumen, meine Entdeckerfreude ver-
nehmlich werden zu lassen. Verzagen
Sie nur nicht, bitte - damit Sie nicht
Ihren Gesundheitszustand beeinträchtigen!