Colerus, Egmont: Visitenkarte an Andreas Thom. o.O., 7.11.1919
3.)
und ward so flüsternd, als ob Mädchenlippen
die ersten Liebesseufzer just entflöhʼn.
Dann sprang der Ton zu unerhörten Klippen,
und meine Geige schmiegte sich noch girrend
an seinen Leib und schien an ihm zu nippen.
Er blickte auf und in die Ferne irrend,
trank müd sein Aug des Erlöschens Süße - -
es zitterte ein letzter Ton verwirrend.
Da sprach der Meister hart: Du Stümper büße
mit ewger Sehnsucht deinen schalen Geist.
Dir aber Jüngling biete sie die Flammengrüße,
und alles was dem Herrn die Magd erweist. -
Ich war betäubt und mußte einsam leben,
in trübem Traum vergangenheits umkreist.
Genug! Der Jüngling trat in Spinnenweben
und soff und stierte auf der Würfel Augen;
selbst frohes Blut blieb an den Fingern kleben.
Da konnte ihm die Geige nicht mehr taugen,
am Haupte eines Widersachers jäh zersprang
das edle Holz und schien in sich zu saugen