Divéky, József: Brief an Arthur Roessler. o.O., 27.2.1915
leicht gerade deshalb, sehr friedlicher Natur. Und wenns
mir draußen oft viel Spaß machte, so ist daran das
Stückchen Abenteurernatur Schuld; und am meisten
Spaß machte es mir, wenn ich durch den Zufall in
immer neue Verhältnisse, zwischen neue Menschen,
in neue Situationen geworfen wurde. Ich hätte, so
glaube ich, ganz gut in den 30jährigen Krieg gepaßt.
Gefahr war mir Wurscht, Angst hatte ich keine, und
am wohlsten fühlte ich mich auf Märschen, wenns ins
Unbekannte ging; und trotzdem suchte ich immer das
Schöne zu fassen, die Stimmung zu genießen. Und
wenns dann unvermutet um die Ohren pfiff, so emp=
fand ich das nur als Stimmungsfaktor. Wenn Sies
wissen wollen: Krieg ist schön! Aber man sollte
ihn führen um des Krieges willen! L'art pour l'art!
Dann wäre er rein künstlerisch. So ist er edler,
erhabener. Es ist größer, um Frau und Kind und Heimat
zu verteidigen zur Waffe zu greifen. Aber um des
Krieges willen ist's doch "schöner". So wie die Landsknechte
taten. Oder doch nicht ganz. Sie verstehen mich ja sowieso.
Nicht zittern müssen vor einer Niederlage, weil der
Zweck nicht Verteidigung seines Liebsten ist; sondern
bloß der Kampf, der Sieg. Wie könnte man da erst los=
gehen!
Schreiben Sie mir bald und ausführlich und seien Sie
und Ihre liebe Frau herzlichst gegrüßt von Ihrem
ollen Krieger
Divéky .