Engelsmann, Alfred: Brief an den Verlag Die Fackel. Wien, 30.6.1929
um der inneren seelischen Beruhigung willen,dass eine ethische Forderung
nicht ganz ungehört verhallt,dass wenigstens seine Inselwelt noch treu
geblieben ist,und ihre Treue nicht nur durch Beifall,sondern auch in
Taten bewährt.
Im vollen inneren Bewusstsein der Hoffnungslosigkeit für den
unmittelbaren Erfolg und dennoch unbeirrbar und mit allem Nachdruck
die moralische Forderung zu stellen,ohne Verhandlungen mit der Partei,
das glaube ich,könnte nur der Sinn einer Kundgebung der Hörerschaft
sein,und hiezu sind alle berufen,die ihm anhänglich sind,und die seine
Trauer über den Verfall des revolutionären Gedankens teilen.
Karl Kraus hat seine Hörer gerufen,er hat sie jetzt gerufen,sie
sind auch gekommen,-und wurden zum Grossteil wieder abgewiesen,weil
sie nicht"organisierte Sozialdemokraten" waren.Herr Lanyi hat mir
mitgeteilt,dass er 3 bis 4 mal soviel Unterschriften erhalten hätte,
wenn diese Beschränkung nicht gewesen wäre.
"Nach der Erfüllung der Forderung K's " den Kreis für weitere
Zwecke auszudehnen",wie Sie schreiben,kann doch wohl schon deshalb nicht
sein Wunsch sein,weil das entweder niemals wäre,oder weil dann der
dringendste und für absehbare Zeit einzige Zweck des Kreises schon
erreicht wäre.
Ich würde mich indes sehr freuen,wenn ich mich irre,und Ihr
ersichtlich in Eile verfasstes Schreiben eine andere Deutung zuliesse,
als die ich ihm beilege.Ich habe indessen ein Schreiben des Verlages
der Fackel erhalten,dessen Kopie ich Ihnen beilege.Ein Exemplar dieses
Schreibens,sowie Ihrer Karte übersende ich wieder dem Verlag der Fackel
und Herrn Lanyi.
Ich sehe Ihren Aufklärungen mir Vergnügen entgegen und versichere
Sie meiner unveränderten Hochachtung:
Ing. Alfred Engelsmann
Wien I. Franz Josefs Kai 25