Engensteiner, Johann: Brief an Sophie Lotheissen. Innsbruck, 11.1.1917
Innsbruck, am 11. Januar 1917.
Verehrte, liebe Freundin!
Meine Karte dürfte Ihnen wohl zugekommen sein. Ich freue
mich, in Ihrem letzten Briefe zu lesen, daß Sie sich mit den
Ihrigen im Leben wieder zurecht gerückt haben, u. daß Ihnen
die Sorge für Ihre Kinder u. Ihre Tätigkeit in der Akademie
über vieles hinweg hilft.
Was mich betrifft, so habe ich viel Trübseliges u. wenig Erfreu-
liches mitzuteilen. Besonders der Winter ist die Zeit, auf die
ich schon im vorausgehenden Sommer u. Herbst mit Bangen zu
blicken pflege u. meine Besorgnisse werden leider in der
Regel durch die Tatsachen gerechtfertigt: In einer äußerst
unbehaglichen Wohnung mit einer zwar sehr braven, ja mehr
für andere, als für sich sorgenden, aber auch ewig klagenden
u. raunzenden Frau zusammen zu sein, erfordert Geduld