Innsbruck, 28. April 14.
Lieber Freund!
Deine Bemerkung, daß Shakespears Dramen keine
Beichten, sondern das Werk einer Phantasie von
unerschöpflichem Reichtum sind, trifft, wie mir
scheint, den Nagel auf den Kopf. Es gibt
gewiß auch große Dichter, die gerne beichten,
d.h. ihre individuellen Erlebnisse künst-
lerisch verwerten, u. die auch ergreifend wirken,
so lange sie in ihren Figuren die eigene Indivi-
dualität ausspielen können. Diesem Spiel
sind aber enge Grenzen gesetzt u. daher muten
uns manche Gestalten solcher Dichter nicht besonders
Lieber Freund!
Deine Bemerkung, daß Shakespears Dramen keine
Beichten, sondern das Werk einer Phantasie von
unerschöpflichem Reichtum sind, trifft, wie mir
scheint, den Nagel auf den Kopf. Es gibt
gewiß auch große Dichter, die gerne beichten,
d.h. ihre individuellen Erlebnisse künst-
lerisch verwerten, u. die auch ergreifend wirken,
so lange sie in ihren Figuren die eigene Indivi-
dualität ausspielen können. Diesem Spiel
sind aber enge Grenzen gesetzt u. daher muten
uns manche Gestalten solcher Dichter nicht besonders