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Neuerscheinungen in der Oper, die Erwerbung einer solchen Urauffüh -
rung selbstverständlich von künstlerischer Bedeutung für eine Bühne
ist.
So sehe ich die Situation zwischen uns. Wenn Du trotzdem
entscheidende Gründe vermutlich wirtschaftlicher Art hattest, die
Uraufführung nicht nach Wiesbaden zu geben, so hätte man erforder -
lichenfalls darüber reden und sich freundschaftlich verständigen
können. Dem bist Du aber von vornherein aus dem Wege gegangen, indem
Du mir überhaupt nichts mitgeteilt hast, bevor nicht der Abschluß
in Leipzig perfekt war. Ergo : Du hattest eine Gelegenheit mir einen
Dienst zu erweisen, wolltest diese Gelegenheit aber nicht benutzen,
hast es Dir sehr bequem gemacht, indem Du mir überhaupt von nichts
Kenntnis gabst, bevor nicht der anderweitige Abschluß gesichert war.
Das ist die Sachlage und ich glaube Dich gut genug zu ken-
nen, um zu wissen, daß Du Dir selbst darüber innerlich im klaren
bist. Ich könnte noch Persönliches hinzufügen, möchte aber davon ab-
sehen, um nicht meinerseits in das Gebiet des privaten Klatsches
hineinzugeraten.
Also mein lieber Krenek über meine Auffassung hast Du
jetzt volle Klarheit. Im übrigen wünsche ich Dir weiterhin alles
Gute und sende Dir und Deiner Gattin beste Grüsse.
Paul Bekker
Bekker, Paul: Brief an Ernst Krenek. Wiesbaden, 15.9.1929