Bettelheim, Anton: Brief an Maia von Kralik. Wien, 11.2.1916
tief und tiefer greifenden Meinungs-Verschie-
denheiten zwischen ihm über Glaubens= und politische und historische Dinge u. mir hätten, so weit
ich in Betracht komme, nicht die geringste Än-
derung in unserem Verkehr zu bewirken ge-
habt. Er hat meinen 60. Geburtstag so wenig
außer Acht gelassen, wie ich den seinigen. Nun,
liebe, verehrte Freundin und Nachbarin, sagen
Sie sich selbst - (nicht mir, denn ich suche
keine Recriminationen): hat sich Richard seit-
her irgendwie um unser Haus gekümmert? Ich
denke dabei nicht entfernt an formalistische
pedantische Besuche. Sagen Sie selbst, mußte
der Langmütigste, Unbefangenste, Vorurteilsloseste
nicht endlich auf den Gedanken kommen, gleichwol
aus welchen Ursachen, Dein Jugendfreund hat
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