Bettelheim, Anton: Brief an Maia von Kralik. Wien, 11.2.1916
weiter nicht das geringste Bedürfnis oder Ver-
langen, mit Dir zu reden oder zu verkehren?
Und verstehen Sie dann nicht, daß angesichts
derartiger durch den äußeren Sachverhalt
vollkommen wahrscheinlich gewordener Annahmen
ein Mann meiner Art sagt: ich laufe Nie-
mandem nach? Ich hätte, wenn Anzengruber oder
[Goldmark] sich gegen mich Jahre hindurch so be-
nommen hätten, wie Richard das gehalten hat, gegen
die Beiden genau so gegebenen Falls mich gestellt,
wie ich das heute gethan. Daß ich irrte nach Ihren
Aufschlüßen, ist mir, wie ich eingangs bemerkte, eine
große Freude. Meine Treue für Richard war und
ist, unbeschadet unserer Meinungs-Verschiedenheiten,
die alte, unzerstörbare. Grüßen Sie ihn herzlich.
Ihnen küßt beide Hände
Ihr wahrhaft ergebener
A. Bettelheim