Bittner, Julius: Brief an Theodor Haas. Bad Ischl, 2.9.1929
Ischl 2/9 29
Lieber Freund!
Ich sitze wieder einmal allein in Ischl, da meine Frau
und der kl. Hellmut gestern nach Wien fahren
mussten. Otto ist auf einer Radtour in Kärnten.
Das Herz hat uns geblutet, als wir den kleinen
Kerl wegen der blödsinnigen Schule, in der sie ja so
nichts lernen, gestern in das glühende Wien hi=
neinschleppen mussten, wo wir doch wussten, dass
bereits am Dienstag Hitzeferien verkündet wer=
den werden. Ich fühle mich wie immer zu Anfang
sehr allein und habe gar keine rechte Freude an dem
guten Wetter, an meinem schönen Garten. Aber ich
beginne heute schon zu arbeiten. Die symphon. Dich=
tung „Bergreise” (für den Schubertbund) arbeite ich
noch einmal um. Der Chorsatz ist zu schwer und Kel=
dorfer sagt, dass das höchstens 3-4 Vereine in ganz
Deutschland überhaupt singen können. Ich werde mein
Möglichstes tun, die Geschichte zu erleichtern. Das Stück
„Theater”, von dem durch eine Indiskretion in der Zeitung
schon was gestanden hat, arbeite ich ebenfalls ganz