Bettelheim, Helene: Brief an Marie von Ebner-Eschenbach. Wien, 11.9.1915
Wien, 11. Sept. 1915.
Hochverehrte Frau Baronin!
Ihr liebes Schreiben war uns eine große, wenn auch
wehmütige Freude; wir hörten wieder Ihre gütigen, freund-
schaftlich mitempfindenden Worte, aber vernahmen leider
den gleichen Kummer, der auch auf uns lastet. - - Aber,
was hilfts, er muss getragen werden!
Unser Lutz erleichtert uns die Sorgen so viel als möglich,
durch reichliche, - unberufen, - stets wolgemuthe Nachrichten, alle
Strapazen u. Heimsuchungen trägt er mit bewunderns-
werthem Gleichmuth u. nie läßt er eine Klage laut
werden. Als er in der zweiten Julihälfte bei uns war, wur-
de die Urlaubsfreude dadurch erhöht, daß er prächtig aussehend
u. in fröhlichster Stimmung bei uns eintraf. Aber leider waren
das nur 14 kurze, rasch verfliegende Tage! -