Bettelheim, Helene: Brief an Maia von Kralik. Wien, 7.9.1930
Wien 7.IX.1930.
Liebste Maia!
Ich sende Dir mit heißem Dank die kostbaren Briefe mei=
nes Mannes zurück. Du kannst gar nicht ermessen, was sie mir
in diesen schrecklichen, verflossenen Monaten waren: - wie sie alte
Zeiten in Glück Leid wieder aufleben ließen, wie sehr sie manches,
in früher Jugend Selbsterlebtes ergänzten u. erst recht deutlich
werden ließen. -- Dann sprach Blatt um Blatt von des Le=
bens wachsender Fülle, u. zeigte endlich wie das Dasein allmälig
ernster, schwerer u. drückender wurde - aber auch, wie mein Mann
u. ich, in glücklichster Gemeinschaft miteinander, doch alle Heim-
suchungen überwinden konnten. --
In wenigen Wochen, wenn meine kleine biographische
Skizze über meinen Toni gedruckt sein wird, kannst Du sie
als Schlußkapitel zu den Briefen legen, - auch als Ab-
schluß meines eigenen Lebens - trotz des Vielen, das mir