Bettelheim, Helene: Brief an Adalbert Franz Seligmann. Wien, 23.11.1933
glimpfung seiner Person nicht zu wehren vermochten. --
Ich war noch ein Kind, als das junge Ehepaar Makart in mein
Elternhaus kam, u. deutlich erinnere ich mich der reizenden
Erscheinung der zarten, rotblonden Frau. Jahrelang gehörte
Makart zu den liebsten Gästen unseres Hauses, in Wien
sowie am Grundlsee. An seine dortigen Besuche mah=
nen zwei Blätter seiner Hand, ein getuschtes u. ein
Aquarell in unserem Fremdenbuch. Durch seine
zweite Ehe, der sein früher Tod ein baldiges Ende be=
reitete, wurde er - besonders seinen verheiratheten
Freunden ganz entfremdet.
Über ihn ist, trotz aller Huldigungen, die
er bei Lebzeiten erfuhr, nach seinem Tode wenig u. meist
Unzureichendes geschrieben worden, u. so ist es eine
glückliche Fügung gewesen, daß es meinem Mann
gelang, eine so vortreffliche ernsthafte Würdigung des
Künstlers, durch Arpad Weixelgärtner, im Bd VI. seines