Blümelhuber, Michael: Porträtspostkarte an Wilhelm Kienzl. o.O., 6.9.1923
Hochverehrter Meister Kienzl!
Vielleicht erinnern Sie sich nach diesem
Bilde unserer Begegnung bei Frau Helene
Bauer im Herbst 1921. Die damals angeregte
Stabilisierung unseres Krönleins ist inzwi=
schen wohl etwas weit vom Idealismus
abseits geraten; aber es ist doch etwas
zustande gekommen.
Aus dem Jahresberichte des Wiener
Männergesang-Vereines vom Jahre 1922
könnten Sie Seite 93 ersehen, daß ich
auch dort einige persönliche Beziehungen
habe. Nun hat dieser herrliche Verein
meine Anregung aufgenommen und
kommt gegen Mitte Oktober nach Steyr.
Da sollte er zu solchen Zeiten (!) doch
nicht bloß mit banalen Ansprachen
begrüßt werden sondern mit
einem voraus beschwingten Liede.
Wenn Sie, hochverehrter Meister,
die beiliegende kurze Dichtung
sangbar finden und Ihr
hohes Schaffen daran Freude fände,
würde ich Sie herzlichst einladen,
emporreißende Töne zu
widmen. Dem deutschen
Seelenleben täte es not!
Vielleicht darf ich mich Frau Helene
Bauer herzlichst empfehlen, als
einer der vielen Österreicher, die
Sie, hochverehrter Meister, immer
aufs neue bewundern und
hochschätzen.
In aufrichtiger Verehrung, Ihr ˑ/ˑ
6. Sept. 1923.
[Kartenaufdruck:]
Franz Tomaschu: Bildnis Michel Blümelhuber.
Dreifarbenätzung: Angerer & Göschl.
Druck: Christoph Reisser's Söhne, Wien.