Bodingbauer, Karl: Brief an Arthur Roessler. Schwaz, 21.11.1927
Ich organisch wachsen lassen x
Bin jetzt in guter innerer Verfassung,
soweit, daß ich die Sinnenwelt
in Ihrer Erscheinung, mit den
Höhen und Tiefen als formgewordenen
Schöpferwillen, auch schon langsam
religiös erlebe. Dadurch, wird
mir das „Warum” meiner Arbeit
erklärt. Ich habe ein inneres Ziel, das
mir so nah und fern, so tief und
hoch ist, als Gott in uns, so tief und
hoch, so nah und fern ver=
weilt x Jedes „Ich”, ist ein kleiner Teil
von dem uns erfüllenden „Es” Je
mehr wir in uns gehn, um so weiter
gehn wir außer uns, zum All x
Arbeit, d.h. unser ganzes Sein ist ein
Gebet.
Ihr Lesestoff ist mir gerade jetzt recht,
da ich dadurch beruflich, am Laufen=
den bin x Im allgemeinen rührt sich
wenig Bedeutendes x
Bruno Taut hab ich als Problematik
mit Vorsicht eingenommen x
Diese „Moderne” Kunst dürfte endlich
daran gehn, nicht äusseren Form
und Linienkrampf als Gegenwarts=
kunst zu „proklamieren”, sondern
endlich als Zeitmenschen Ewigkeits=
male, menschlich moralisch bestimmter