Brecher, Gustav: Brief an Ernst Krenek. o.O., 12.12.1934
echter Passion bei ihrem Beruf,
keine Theatergeschäftsfrau; er gefährlich, -
sicher, - aber überaus intelligent und
beschlagen, ergo erfreulicher als harmlose=
re, aber beschränktere Leute in ähnlicher
Stellung. Ich glaube auch übrigens, daß
er meine Einladung - (wenn auch nicht
in der schon festliegd. Saison) - wirklich
vor hat. Er fragte mich auch ob ich denn
nicht mit Dr. K. gesprochen hätte
wegen Selbst - Einstudierung und
Leitung meines Elaborates, das läg[e]
doch so nahe! Ich finde Das zwar, -
(vollends nach der seitherigen unahnbar
rapiden Entwicklungen) - erst recht, meine
aber trotzdem nicht aus meiner restlosen
Reserve von neulich heraustreten zu
sollen. Wenn Not am Mann wird,
werden die Maßgeblichen vielleicht
von selbst darauf kommen, (wobei
aber kaum der Zauberflötenübersetzer
sehr pro sein dürfte...)
Ich käme weiß Gott gern paar Wochen
„zur Aushilfe”, schon rein aus hedonist=
ischen Gründen. Abzüglich der
negativen Personalia waren die 14
Wiener Tage tatsächlich eine Erholung
und Erfrischung in vieler Hinsicht.
Mit unsern herzlichen Grüßen an
[seitlich links:] Sie und Ihre liebe Frau der Ihre
GustBrecher.