Fraungruber, Hans: Brief an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 8.12.1919
zu weit gingen, kommt daher, daß die Aus-
drücke "bürokratisch schwerfällig", "nirgends aber
philologische Trockenheit, nirgends Pedanterie
u Hochmut" u. a. direkt aus Kohls Pamphlet herüber-
genommen erscheinen, wo sie zweifellos auf
Pommer gemünzt waren, der als blutjunger
seiner echt idealen deutschen Gesinnung gestorben
ist. Hättest Du den Mann gekannt wie wir, wäre
Dir unsre Empfindlichkeit ganz begreiflich. Man
muß ihn an der Arbeit gesehen haben, wie er
das Volk zu packen verstand, wie die einfachen,
mißtrauischen Leute für ihn geradezu schwärmten u
noch jetzt von ihm sprechen. Er war auch nicht so sehr
rechthaberisch als konsequent; wie er mit Dir
verkehrte, zeigt auch, daß es mit dem "Übelnehmen
und Nachtragen" nicht so arg war. Hat er doch
selbst Kohl goldene Brücken zum Verständnisse u.
Ausgleich gebaut, aber der Tiroler Schädel bockte
auch gegen uns andre. Nun, das ist Kohls Sache.
Der DVGV. meint, in einem Aufsatz "Vom österr.
Volksliede" dürfen weder Neckheims noch Pom=
mers Ausgaben übersehen werden, auch nicht
die von Götz, Liebleitner etc. Auch die reichen 20 Jahrg.