Franzos, Ottilie: Brief an Julius Pée. Wien, 17.1.1925
/Weihnachtspapier./
Wien 17. 1. 25.
Lieber und verehrter Herr Professor!
Ich will den Tag nicht zu Ende gehen lassen, ohne
Ihren heute erhaltenen Brief zu beantworten. Bei
unseren langjährigen Beziehungen, möchte
ich nicht, daß Sie mich in wichtigsten Lebensfra-
gen verkennen.
Bevor ich aber zu diesen komme, lassen Sie
mich sagen, wie ich dem Leben gegenüber stehe.
Der kurze Vers, den ich im Juni 1924 in mein Tage-
buch geschrieben habe, drückt mein Empfinden aus,
welches sich wohl nicht mehr ändern wird.
Einst war ich jung und krank,
Ob Morgen stieg, ob Abend sank
Stets ist mein heisser Wunsch gewesen,
Zu neuem Sein und Tun genesen!
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Jetzt bin ich alt und krank
Durch fremde Schuld mein Glück versank;
Nun bin mit Freuden ich bereit
Zu gleiten in die Ewigkeit.
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