Franzos, Ottilie: Brief an Julius Pée. Wien, 17.1.1925
Was nun die Ehe betrifft, so kann der frömmste
Katholik ihre Heiligkeit nicht höher halten, als
ich sie gehalten habe. Übrigens war mein Stand-
punkt auch stets:
„Hier ist noch eine andre Ehre zu verlieren
als die mir Spanien als Morgengabe brachte.”
Engelchen aber - Eveline von Egger-Möllwald -
ist in meinen Augen ganz gerechtfertigt. Sie ist
übrigens von je meine Nichte. Ihre Mutter
war meine richtige Cousine. Evelinens Groß-
vater und meine Mutter waren Geschwister.
Heinrich Benedikt, mein Neffe und Eveline
Benies hatten also einen gemeinsamen Urgroß-
vater. Wie ich mich um alles sorge, so auch um
die Buben, vor allem um Rudolf, wegen des
Stammens aus einer Verwandtenehe.
„Nun bin mit Freuden ich bereit,
Zu gleiten in die Ewigkeit.”
Im Frühling 1918 ist Goebel, der erste Mann
von Heinrichs jetziger Frau, im Krieg ermor-
det worden, nicht gefallen. Eveline hat die
Witwe samt ihren 2 Kindern im Juni
1918 mit auf ihre Zuckerfabriksvilla* in
Böhmen genommen. Die Drei waren über
ein Jahr dort. Vom Sommer 18 schon bis
zum September 23 hat Eveline um ihren
Mann gekämpft - Alles vergeblich! Daß die
Vierunddreißigjährige, seit so vielen Jahren
Vernachlässigte, in ihrer Liebe, in ihrem Selbst-
wußtsein auf Tiefste Gekränkte dem Werben
eines in jeder Beziehung Hochstehenden * Fabrik gehörte nicht ihr - ihrem Vater.