Friedländer, Alice: Brief an Elise und Helene Richter. Pegli, 20.9.1925
Für mich bedeutet dieser Tod eine grosse Lücke.
Seit dem gleichzeitigen Unglück vor 7 Jahren - Heinz
Frank starb einen Tag vor Holdchen - waren wir
sehr eng verbunden, und da sie immer leidend war,
konnte ich ihr oft etwas sein. Wie viele Abende habe
ich an ihrem Bett verbracht! Mein naher Freundes=
kreis engt sich immer mehr u. mehr ein. Ich hatte
mir's angewöhnt, eigentlich nur dorthin zu gehen,
wo man mich brauchte. Das waren gewöhnlich
sehr alte oder kranke Menschen. Die sterben
mir nun einer nach dem andern weg. -
Meinen neulichen Brief habt Ihr wohl be-
kommen. Wir sitzen noch hier und warten auf
den leider noch verreisten Direktor der Museen.
Hoffentlich kommt er in d. nächsten Tagen. Dann
brechen wir nach Florenz auf. Adresse wissen wir
noch nicht. Wetter seit 3 Tagen unangenehm, feuchte
Treibhausluft. Für Franz ist Genua sehr anstrengend,
er kommt immer sehr abgespannt nach Hause. Florenz
wird dagegen eine Erholung sein.
Nun lebt wohl und seid tausend Mal
gegrüsst von Eurer
Alice