Eichkamp, 8. Nov. 1932.
Meine Lieben,
Ich habe endlich die 600 Adressen für die Danksa-
gungen geschrieben - eine Riesenarbeit, weil man
die meisten Adressen suchen musste. Max schreibt
noch immer, denn er ist nicht davon abzubringen,
auf die meisten Karten noch mit der Hand etwas
drauf zu schreiben, was natürlich unsinnig ist. -
Was mich beinah am meisten gefreut hat, war eine
nachträgliche Gratulation von Albert Schweitzer, der Max
einmal in Wien getroffen hat. Ich habe die Gelegenheit wahr-
genommen und ihm einen Brief geschrieben. Bin neugierig,
ob er antwortet. Es heisst, dass er demnächst nach Berlin
kommt. Wäre das eine Freude, ihn bei uns zu sehen!
Eigentlich verdanke ich ihn Euch, denn Ihr habt mir doch
voriges Jahr „Zwischen Wasser u. Urwald“ geborgt, was
einen so tiefen Eindruck auf mich machte. Ihr kennt wohl
„Aus der Jugendzeit“ und die „Selbstdarstellung“. Im
Rundfunk hörten wir seine Goetherede. Dieser Mann ist
doch ein Wunder an Begabung, Tatkraft, ethischer
Grösse, Fleiss u. Künstlerschaft. -
Ich bin gar nicht zufrieden mit mir. Die Verkalkung des
Gehirns schreitet rapide fort, ich fühle mich auch müde
und abgespannt. Die Herzanfälle sind allerdings nicht
wiedergekommen, was immerhin ein gutes Zeichen
Meine Lieben,
Ich habe endlich die 600 Adressen für die Danksa-
gungen geschrieben - eine Riesenarbeit, weil man
die meisten Adressen suchen musste. Max schreibt
noch immer, denn er ist nicht davon abzubringen,
auf die meisten Karten noch mit der Hand etwas
drauf zu schreiben, was natürlich unsinnig ist. -
Was mich beinah am meisten gefreut hat, war eine
nachträgliche Gratulation von Albert Schweitzer, der Max
einmal in Wien getroffen hat. Ich habe die Gelegenheit wahr-
genommen und ihm einen Brief geschrieben. Bin neugierig,
ob er antwortet. Es heisst, dass er demnächst nach Berlin
kommt. Wäre das eine Freude, ihn bei uns zu sehen!
Eigentlich verdanke ich ihn Euch, denn Ihr habt mir doch
voriges Jahr „Zwischen Wasser u. Urwald“ geborgt, was
einen so tiefen Eindruck auf mich machte. Ihr kennt wohl
„Aus der Jugendzeit“ und die „Selbstdarstellung“. Im
Rundfunk hörten wir seine Goetherede. Dieser Mann ist
doch ein Wunder an Begabung, Tatkraft, ethischer
Grösse, Fleiss u. Künstlerschaft. -
Ich bin gar nicht zufrieden mit mir. Die Verkalkung des
Gehirns schreitet rapide fort, ich fühle mich auch müde
und abgespannt. Die Herzanfälle sind allerdings nicht
wiedergekommen, was immerhin ein gutes Zeichen