Berlin, 12. Nov. 1919
Meine Lieben,
Gott weiss, wann dieser Brief in Wien landet. Um die
Schwierigkeiten noch zu erhöhen, schneit es seit 3 Tagen
fast ununterbrochen. Der Himmel hat, wie es scheint,
für dieses unglückliche Land nur noch ein Leichentuch.
Könnten wir doch Alle schon darunter schlafen! -
Das äussere Leben scheint bei Euch freilich noch schwie-
riger zu sein als bei uns. Wir bekommen doch immer-
hin noch etwas Kohlen, wenn auch nicht genug, um
die schwerheizbaren Räume warm zu kriegen. Wie es
aber werden soll, wenn der strenge Winter, der so ab-
norm früh eingesetzt hat, lange anhält, das weiss Nie-
mand. Der 9. Nov. ist glücklich vorüber ohne Zwischen-
fälle. Die Herrschaften, die die Revolution gemacht ha-
ben, sind doch etwas kleinlaut geworden u. haben nicht
den Mut, sich mit dem, was sie in diesem Jahr zu Wege
gebracht haben, zu brüsten. -
Du kannst Dir denken, dass die Nachricht aus Rembercourt
uns sehr erregt hat. Freilich ist es mir eine tröstliche
Empfindung, dass die armen Überreste der geliebten Kinder
wenigstens ein Grab für sich gefunden haben. Aber für
eine Überführung sind wir nicht, weil wir wissen, dass es
nicht in Holdchens Sinn wäre. Er hat sich Franz u. meiner
Meine Lieben,
Gott weiss, wann dieser Brief in Wien landet. Um die
Schwierigkeiten noch zu erhöhen, schneit es seit 3 Tagen
fast ununterbrochen. Der Himmel hat, wie es scheint,
für dieses unglückliche Land nur noch ein Leichentuch.
Könnten wir doch Alle schon darunter schlafen! -
Das äussere Leben scheint bei Euch freilich noch schwie-
riger zu sein als bei uns. Wir bekommen doch immer-
hin noch etwas Kohlen, wenn auch nicht genug, um
die schwerheizbaren Räume warm zu kriegen. Wie es
aber werden soll, wenn der strenge Winter, der so ab-
norm früh eingesetzt hat, lange anhält, das weiss Nie-
mand. Der 9. Nov. ist glücklich vorüber ohne Zwischen-
fälle. Die Herrschaften, die die Revolution gemacht ha-
ben, sind doch etwas kleinlaut geworden u. haben nicht
den Mut, sich mit dem, was sie in diesem Jahr zu Wege
gebracht haben, zu brüsten. -
Du kannst Dir denken, dass die Nachricht aus Rembercourt
uns sehr erregt hat. Freilich ist es mir eine tröstliche
Empfindung, dass die armen Überreste der geliebten Kinder
wenigstens ein Grab für sich gefunden haben. Aber für
eine Überführung sind wir nicht, weil wir wissen, dass es
nicht in Holdchens Sinn wäre. Er hat sich Franz u. meiner