Friedjung, Heinrich: Brief an Rudolf Hawel. Wien, 6.8.1917
Wien, 6. August 1917.
IX. Harmoniegasse 4.
Lieber Freund!
Schon vor einiger Zeit habe ich im Unterrichts-
ministerium in Deinem Interesse Schritte gemacht,
die, wie es scheint, zu einem Erfolg führen werden.
Ich musste aber die Rückkehr des Sektionsrates Ritt-
ner abwarten, der sich bis vorige Woche auf Urlaub
befand. Vor zwei Tagen pflog ich mit ihm Rückspra-
che, da er als Referent über die Verleihung von
Ehrengaben an Schriftsteller und Künstler nicht
zu umgehen ist. Er ging willig auf die Sache ein,
kennt, da er selbst Dramatiker ist, Deine Arbeiten,
ist Dir freundlich gesinnt und bereit, meine
Anregung zu fördern. Er bedauert nur, dass während
des Kriegs im Ministerium der Grundsatz angenommen
wurde, für die Dauer des Kriegs nicht einen sich
von selbst erneuernden Ehrensold zu gewähren. Die
Stipendien werden immer nur Jahr für Jahr verliehen. Er
legt Dir nahe, an das Unterrichtsministerium eine
Eingabe zu machen, in der Du, als verdienter va-
terländischer Schriftsteller auf Deine drückenden
Verhältnisse hinweisest und eine Ehrengabe erbit-
test. Dieses Gesuch sollte, wie Dr. Rittner meint,