Goering, Gerd Hans: Brief an Ernst Krenek. o.O., 10.10.1932
überhaupt nichts mehr veröffentlichst, ich habe wenig-
stens seit langer Zeit nichts mehr von Dir gelesen.
Anscheinend ist die F. Z. auch sonst in einem
Umwandlungs- oder stellungs-Stadium befind-
lich, jedenfalls erweckt sie den Eindruck der
„Befangenheit”. Und Unbefangenheit war ihr grösster
Vorzug. Es wird sich zeigen, was da noch herausbrät.
Hast Du vielleicht den Roman „Treibgut” s. Z.
gelesen? Ein recht interessanter Versuch. Nur ist´s
eben kein Roman. Dazu fehlt das Moment
der Composition. Das ist zwar eine sehr allgemeine
Verwechslung, und nicht wenig moderne Roma-
ne und Theaterstücke (und gerade solche mit
„höheren” Ambitionen) sind nicht mehr als
ausgeführte Krankengeschichten oder soziologi-
sche Bestandsaufnahmen. Nur auf die Weise
ist auch ein solider Roman wie Treibgut möglich,
in dem auch nicht eine Figur vorkommt, die
Sympathie erweckte. Sympathie, noch lange nicht
irgend eine moralische Übereinstimmung. Diese
Figuren erwecken weder „Furcht” noch „Mitleid”,
der Fall ist lediglich zur Kenntnisnahme vorge-
legt. Es fragt sich aber doch, ob das nun das richtige
ist. Bei der ganzen Bemühung kommt doch
im Grunde nichts weiter heraus, als ein mehr
oder weniger überzeugendes: „Das gibt's”. Nur gewährt
allerdings eine in dieser Weise überzeugende