Darstellung eines Charakters mindestens
dem Darsteller eine grosse Befriedigung; der kulti-
vierte Leser mag sie sogar nachempfinden. Aber
mag diese Nachahmung der Natur ein artistisches,
oder wie man jetzt so gern sagt „handwerkliches” Ver-
gnügen sein, ein geistiges ist es jedenfalls nicht.
Das Entscheidende scheint mir zu sein, dass in
solchen Darstellungen niemals zum Ausdruck
kommt, dass der Autor dem Darzustellenden
gegenüber einen Standpunkt einnimmt. In
der Tat ist das ja auch zur blossen Nachahmung nicht
erforderlich. Wird aber ein Standpunkt eingenom-
men, so wird uns auch die Darstellung nicht
mit einem „das gibt's” so klug als wie zuvor lassen
können, sondern sie wird uns wenigstens
zwingen, uns mit ihr als dem Ausdruck
eines Standpunktes und dem Dar- und Vor-
gestellten als einem entsprechend geordneten auseinander zu setzen, wenn sie uns
schon nicht auf diesen Standpunkt bringen oder
darauf befestigen kann, weil es uns überhaupt eines
verbindenden Allgemeinen mangelt. Historischer
Ausweis: der Standpunkt wurde ausgedrückt
als Erkenntnis und zwar als faktische oder faktisch-
moralische. Letztere in der griechischen Tragoedie,
die den menschlichen Helden-Empörer gross, er-
haben, unglücklich aber immer ohnmächtig
gegen über dem gesetzten Willen der Götter oder des Schick-
dem Darsteller eine grosse Befriedigung; der kulti-
vierte Leser mag sie sogar nachempfinden. Aber
mag diese Nachahmung der Natur ein artistisches,
oder wie man jetzt so gern sagt „handwerkliches” Ver-
gnügen sein, ein geistiges ist es jedenfalls nicht.
Das Entscheidende scheint mir zu sein, dass in
solchen Darstellungen niemals zum Ausdruck
kommt, dass der Autor dem Darzustellenden
gegenüber einen Standpunkt einnimmt. In
der Tat ist das ja auch zur blossen Nachahmung nicht
erforderlich. Wird aber ein Standpunkt eingenom-
men, so wird uns auch die Darstellung nicht
mit einem „das gibt's” so klug als wie zuvor lassen
können, sondern sie wird uns wenigstens
zwingen, uns mit ihr als dem Ausdruck
eines Standpunktes und dem Dar- und Vor-
gestellten als einem entsprechend geordneten auseinander zu setzen, wenn sie uns
schon nicht auf diesen Standpunkt bringen oder
darauf befestigen kann, weil es uns überhaupt eines
verbindenden Allgemeinen mangelt. Historischer
Ausweis: der Standpunkt wurde ausgedrückt
als Erkenntnis und zwar als faktische oder faktisch-
moralische. Letztere in der griechischen Tragoedie,
die den menschlichen Helden-Empörer gross, er-
haben, unglücklich aber immer ohnmächtig
gegen über dem gesetzten Willen der Götter oder des Schick-