Goering, Gerd Hans: Brief an Ernst Krenek. o.O., 4.2.1932
lei Kniffe” aufgelesen; und zwar auch dann,
wenn ein scheinbar ähnlicher Zweck die Anwendung
der Wirkung nach rechtfertigt. Ich halte es aber auch
für einen Fehler, diese Wirkung so ohne weiteres als
Actionen zu buchen. Im 23 nämlich ist diese
Wirkung durchaus aus zweiter Hand. Die Folge wird
sein, dass sich der Leser an das Original erinnert
fühlt, mit irgend einer Gefühlscomponente die
Identität konstatiert und weiterliest. D.h. das bischen
geistige Bemühung, das heute ein Leser an den Lesestoff
wendet, wird in eine ganz falsche Richtung gekehrt
und trifft auf die Sache überhaupt nicht auf.
Die Zeitschrift behauptet, polemisch und
satirisch werden zu wollen. Aber nach dem ersten
Heft scheint es zur Polemik durchaus an Leiden-
schaft zu mangeln. Das Heft zeigt zum einen Teil
sehr selbstgefällige intellektuelle Spielerei zum andern
eine einigermassen verworrene und unsichere Polemik.
Sparsamkeitsrücksichten werden der Zeitschrift keinen
grösseren Umfang zugestanden haben, und da sollte
nun auf den paar Seiten alles gezeigt werden, was
sie kann. Das halte ich für verfehlt. Es wäre m.E.
richtiger gewesen, sich gleich mit einer ernsthaften
Polemik anzustrengen, als sich am Rande herum-
zudrücken, Witze zumachen und den Leser am
Ende so klug zu lassen wie vorher.
Denn die Polemik „Ein Fall Korngold in 23 Punkten”