In diesem letzten Sinne bietet allerdings
dem Zeitgenossen, das Leben, das er führt,
gar keinen Inhalt. Er lebt gar nicht von
seinem Leben sondern von einer mehr oder
weniger vagen Vorstellung oder Hoffnung,
was dieses Leben sein sollte. Dieses Verhalten
ist offenbar nicht nur ein Charakteristi-
kon des Zeitgenossen; für ihn charakteris-
tisch ist nur das, was da als „Fülle des
Lebens” vorgestellt wird - eben die Ki[no]-
welt. Aber in der seelischen Gesamt-Tendenz
lassen sich wohl mindestens Rudimente
einer wesentlich christlichen Bewegung
erkennen. Denn christlich gesehen ist das
Leben, das ich führe, doch niemals ein
Inhalt, der als Wert bestätigt werden könn-
te oder auch nur dürfte, da es vielmehr nur
ein elender, sündiger, der Vergänglichkeit,
der Verwesung verfallener „Leib” ist und
sein einziger Sinn die Verwandlung, d[ie]
Wiedergeburt, also das, was er werden
und danach sein soll. Man kann na-
türlich behaupten, diese Bewegung sei das
Primäre (etwa das „Faustische”) und sie habe
die christlichen Begriffe nur angezogen:
Auf dieser Stufe der Abstraction scheint
mir jede derartige Untersuchung müssig,
weil sich hier bereits alles auf alles anwen-
den und alles in allem beweisen lässt.
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dem Zeitgenossen, das Leben, das er führt,
gar keinen Inhalt. Er lebt gar nicht von
seinem Leben sondern von einer mehr oder
weniger vagen Vorstellung oder Hoffnung,
was dieses Leben sein sollte. Dieses Verhalten
ist offenbar nicht nur ein Charakteristi-
kon des Zeitgenossen; für ihn charakteris-
tisch ist nur das, was da als „Fülle des
Lebens” vorgestellt wird - eben die Ki[no]-
welt. Aber in der seelischen Gesamt-Tendenz
lassen sich wohl mindestens Rudimente
einer wesentlich christlichen Bewegung
erkennen. Denn christlich gesehen ist das
Leben, das ich führe, doch niemals ein
Inhalt, der als Wert bestätigt werden könn-
te oder auch nur dürfte, da es vielmehr nur
ein elender, sündiger, der Vergänglichkeit,
der Verwesung verfallener „Leib” ist und
sein einziger Sinn die Verwandlung, d[ie]
Wiedergeburt, also das, was er werden
und danach sein soll. Man kann na-
türlich behaupten, diese Bewegung sei das
Primäre (etwa das „Faustische”) und sie habe
die christlichen Begriffe nur angezogen:
Auf dieser Stufe der Abstraction scheint
mir jede derartige Untersuchung müssig,
weil sich hier bereits alles auf alles anwen-
den und alles in allem beweisen lässt.
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