Goering, Gerd Hans: Brief an Ernst Krenek. o.O., 27.1.1932
wieder flott; er setzt seinem Diener eine bedeu-
tende Mitgift aus, damit der das Mädchen
heiraten kann, das er liebt (diese Scene bei
Kraus gestrichen). Er erweist sich als Kunst-
Maecen, er allein setzt einen Juwelier in
Nahrung, denn Stücke, die keiner erschwingen
kann, kauft er. Mehr: Er führt ein grosses Haus,
der Gäste werden nicht alle, und diese Gäste
werden nicht nur auf's erlesenste bewirtet, son-
dern auch beschenkt, und zwar mit Werten,
die in gar keinem Verhältnis stehen zu dem
Anlass oder der Gelegenheit. Ein kostbarer
Stein zur Erinnerung an einen gemeinsamen
Schmaus: spätestens hier erzwingt der all-
gemeine Eindruck das Urteil: dieser Mensch
ist ein Verschwender. Und schon bestätigt es
das Stück: er steht bereits vor dem Ruin.
Hier nun hängen sich sogleich die Gedankenketten
a[us] zeitgemässen ökonomischen, soziologischen,
biologischen und sonst modern genormten Denkens ein.
Ein Verschwender, definiere ich mir, ist einer,
der sein Hab und Gut verzettelt nach der Laune
des Augenblicks, einer der die im Besitz
akkumulierten oekonomischen, sozialen
und sonstigen Kräfte nicht nutzt sondern
zersplittert, vertut, vernichtet. Und der Psycho
loge ergänzt: Einer mit mangelhaften Erwerbs-
instinkten, der sein Vermögen nicht selbst er-
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