worben und darum seinen Wert gar
nicht erfahren hat. Ein solcher macht zwischen
einem Edelstein und einem Kiesel keinen
andern Unterschied als den, dass jener
seinen Augen und Sinnen wohlgefälliger
ist. Da drängt sich die Frage auf: Sind nicht
die im Recht, die ihn am Ende sitzen lassen?
Sie folgen intakten Erwerbsinstinkten und
sind in der Lage, Besitz zu sammeln und das
Erworbene zu erhalten. Sie hatten in Timon
immer nur den Narren gesehen, wenn nicht
den Feind. Sie hatten seine Geschenke genom-
men. Gewiss: taten sie's nicht, taten's
andere. Und so war das Zeug wenigstens dort,
wo es nach seinem Wert geschätzt wurde.
Aber dem abgewirtschafteten Timon borgen,
d.h. seine Gläubiger auszahlen? Was gingen
sie die Gläubiger an! Die hatten ihren Zins reich-
lich von Timons Tafel gefressen; wenn sie
nicht eher nach dem Rechten sahen, u[m] so
schlimmer für sie. Und dem Timon wird
man doch nie das Wirtschaften beibringen;
er ist nicht einer der ihren. Die Argumentation
kehrt zu Timon zurück: Nicht jeder Erbe eines
Riesenvermögens, der es in noblen Passionen
vertut, ist darum schon ein Beispiel
gegen die Raffer, die Geizkragen, die Profit-
macher, die Bürger. In diese Perspektive
weist bereits Nestroy im „Zerissenen”.
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nicht erfahren hat. Ein solcher macht zwischen
einem Edelstein und einem Kiesel keinen
andern Unterschied als den, dass jener
seinen Augen und Sinnen wohlgefälliger
ist. Da drängt sich die Frage auf: Sind nicht
die im Recht, die ihn am Ende sitzen lassen?
Sie folgen intakten Erwerbsinstinkten und
sind in der Lage, Besitz zu sammeln und das
Erworbene zu erhalten. Sie hatten in Timon
immer nur den Narren gesehen, wenn nicht
den Feind. Sie hatten seine Geschenke genom-
men. Gewiss: taten sie's nicht, taten's
andere. Und so war das Zeug wenigstens dort,
wo es nach seinem Wert geschätzt wurde.
Aber dem abgewirtschafteten Timon borgen,
d.h. seine Gläubiger auszahlen? Was gingen
sie die Gläubiger an! Die hatten ihren Zins reich-
lich von Timons Tafel gefressen; wenn sie
nicht eher nach dem Rechten sahen, u[m] so
schlimmer für sie. Und dem Timon wird
man doch nie das Wirtschaften beibringen;
er ist nicht einer der ihren. Die Argumentation
kehrt zu Timon zurück: Nicht jeder Erbe eines
Riesenvermögens, der es in noblen Passionen
vertut, ist darum schon ein Beispiel
gegen die Raffer, die Geizkragen, die Profit-
macher, die Bürger. In diese Perspektive
weist bereits Nestroy im „Zerissenen”.
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