Und kann denn, frag' ich mich, überhaupt
ein Mensch schenken, der den Wert seiner Gabe nie erfahren
nie erlebt hat, weil er sie nie erwarb?
Würde er nicht, hätte er's, den Empfänger
sich besser ansehn? Denn die Gabe soll das Verhältnis
des Schenkenden zum Beschenkten, nämlich
den Wert des Beschenkten für den Schenken-
den in dessen Vermögen ausdrücken.
Oder ich meine mit meiner Gabe gar nicht
den Beschenkten sondern meine eigene
Lust, diese äusserste Bestätigung des Be-
sitzes und den höchsten Genuss an ihm:
ihn zu verschenken. Welche Jammergestalt
also, wer sein Vermögen und Erborgtes da-
zu an diese Lust vergeudet hat und dann
Gott und Welt verflucht, weil niemand
Anstalt macht, die Schulden zu zahlen.
Oh, diese Tiraden sind widerlich, grotesk,
peinlich, beschämend, und unverständ-
lich ist es, warum am Schluss doch alles zu
Timons Ehr' ausklingt.
Wenn es eines Beweises bedürfte, dass
Sh.-Werke nicht Buchdramen eines dich-
tenden Philosophen sind, sondern un-
verfälschte und einzige Bühnenkunst,
diese Lesart der gedruckten Tatsächlichkeit
und, dass sie möglich ist, würde den Beweis-
grund geben. Denn der Buch-Dramatiker,
der sich also vornehmlich an den Leser wendet,
muss, wenn er seine Sache richtig anpackt,
der Bedingung gerecht werden, dass der
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ein Mensch schenken, der den Wert seiner Gabe nie erfahren
nie erlebt hat, weil er sie nie erwarb?
Würde er nicht, hätte er's, den Empfänger
sich besser ansehn? Denn die Gabe soll das Verhältnis
des Schenkenden zum Beschenkten, nämlich
den Wert des Beschenkten für den Schenken-
den in dessen Vermögen ausdrücken.
Oder ich meine mit meiner Gabe gar nicht
den Beschenkten sondern meine eigene
Lust, diese äusserste Bestätigung des Be-
sitzes und den höchsten Genuss an ihm:
ihn zu verschenken. Welche Jammergestalt
also, wer sein Vermögen und Erborgtes da-
zu an diese Lust vergeudet hat und dann
Gott und Welt verflucht, weil niemand
Anstalt macht, die Schulden zu zahlen.
Oh, diese Tiraden sind widerlich, grotesk,
peinlich, beschämend, und unverständ-
lich ist es, warum am Schluss doch alles zu
Timons Ehr' ausklingt.
Wenn es eines Beweises bedürfte, dass
Sh.-Werke nicht Buchdramen eines dich-
tenden Philosophen sind, sondern un-
verfälschte und einzige Bühnenkunst,
diese Lesart der gedruckten Tatsächlichkeit
und, dass sie möglich ist, würde den Beweis-
grund geben. Denn der Buch-Dramatiker,
der sich also vornehmlich an den Leser wendet,
muss, wenn er seine Sache richtig anpackt,
der Bedingung gerecht werden, dass der
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