Copie.
zu 202
Julius Grau.
Bln-Charlbg 4,d.21.Novb 29.
Pestalozzistr.11 b/Schönhof
Schriftleitung des M M.
Berlin.
Sehr geehrte Herren!
ich erlaube mir,auf Ihr Schreiben v.8.11.zurückzu-
kommen und nur kurz Ihre Erwiderungen wegen Karl Kraus
zu widerlegen.
Zunächst bemerke ich,daß Sie keine Beleidigungsklage
zu gewärtigen haben und daß meines Erachtens die vielen Pro-
zesse von Karl Kraus,auf die Sie hierbei wohl anspielen,noch
nicht beweisen,daß K. ein Streitsüchtiger ist,sondern nur,daß
seine Nerven in einem uneigennützigen Kampf gegen die gesamte
Pressewelt etwas gelitten haben können. Auf wen das Odium des
Unrechts hierbei fällt,braucht weiter nicht untersucht zu wer-
den. Doch selbst wenn seine Kampfkraft nachlassen sollte,was
aber trotz allem nicht der Fall sein dürfte,so werden aus sei-
nem"Verehrer"-Kreise wahrscheinlich so viele Weiterkämpfer er-
stehen,daß man auf seiten korrupter oder ihrer Pflicht gegen die Oef-
fentlichkeit nicht bewußter Pressekreise nur von einem Pyrrhus-
siege würde reden können.
Vollends scheint es unangebracht,Herrn Kraus Mangel
an Mut und Einstehen nachzusagen. Ich glaube nicht,daß Sie
selber an das glauben,was Sie da sagen, da es weit und breit
bekannt ist, daß K.nicht nur, in den gefährlichsten Zeiten und
Situationen, geistigen,sondern sogar physischen Mut bewiesen
hat. Es wäre abzuwarten,wie sich gewisse Zeitungen in einer
Welle der Reaktion,die vielleicht ganz nahe ist,halten werden,
ob sie sich von ihrem Gesinnungsblatt in Wien,der Lippowitz-
Zeitung,die sich in widerlicher Weise dem Faschismus angeschmis-
sen hat,vorteilhaft unterscheiden werden.
Wo sich Herr Kraus am besten nützlich machen kann,
darf man,glaube ich,ihm selbst voll und ganz überlassen,seine
"Verehrer"finden auf jedem Gebiete an ihm etwas zu verehren, vor
allemdas,was sie in allen Zeitungen und Zeitschriften vermissen:
Sauberkeit,Pflichtbewußtsein der Publizistik und ganz nebenbei
auch Können.
Mit vorzüglicher Hochachtung
zu 202
Julius Grau.
Bln-Charlbg 4,d.21.Novb 29.
Pestalozzistr.11 b/Schönhof
Schriftleitung des M M.
Berlin.
Sehr geehrte Herren!
ich erlaube mir,auf Ihr Schreiben v.8.11.zurückzu-
kommen und nur kurz Ihre Erwiderungen wegen Karl Kraus
zu widerlegen.
Zunächst bemerke ich,daß Sie keine Beleidigungsklage
zu gewärtigen haben und daß meines Erachtens die vielen Pro-
zesse von Karl Kraus,auf die Sie hierbei wohl anspielen,noch
nicht beweisen,daß K. ein Streitsüchtiger ist,sondern nur,daß
seine Nerven in einem uneigennützigen Kampf gegen die gesamte
Pressewelt etwas gelitten haben können. Auf wen das Odium des
Unrechts hierbei fällt,braucht weiter nicht untersucht zu wer-
den. Doch selbst wenn seine Kampfkraft nachlassen sollte,was
aber trotz allem nicht der Fall sein dürfte,so werden aus sei-
nem"Verehrer"-Kreise wahrscheinlich so viele Weiterkämpfer er-
stehen,daß man auf seiten korrupter oder ihrer Pflicht gegen die Oef-
fentlichkeit nicht bewußter Pressekreise nur von einem Pyrrhus-
siege würde reden können.
Vollends scheint es unangebracht,Herrn Kraus Mangel
an Mut und Einstehen nachzusagen. Ich glaube nicht,daß Sie
selber an das glauben,was Sie da sagen, da es weit und breit
bekannt ist, daß K.nicht nur, in den gefährlichsten Zeiten und
Situationen, geistigen,sondern sogar physischen Mut bewiesen
hat. Es wäre abzuwarten,wie sich gewisse Zeitungen in einer
Welle der Reaktion,die vielleicht ganz nahe ist,halten werden,
ob sie sich von ihrem Gesinnungsblatt in Wien,der Lippowitz-
Zeitung,die sich in widerlicher Weise dem Faschismus angeschmis-
sen hat,vorteilhaft unterscheiden werden.
Wo sich Herr Kraus am besten nützlich machen kann,
darf man,glaube ich,ihm selbst voll und ganz überlassen,seine
"Verehrer"finden auf jedem Gebiete an ihm etwas zu verehren, vor
allemdas,was sie in allen Zeitungen und Zeitschriften vermissen:
Sauberkeit,Pflichtbewußtsein der Publizistik und ganz nebenbei
auch Können.
Mit vorzüglicher Hochachtung