Pola, den 9. Dez. 1916.
Meine liebe Freundin!
Heute ging mein Brief ab; wann Sie
ihn wohl erhalten werden? wieder erst
in 3 Tagen, wie den letzten? Ach!
Auf die Gefahr hin, Sie zu langweilen, muß
ich Ihnen erklären, wie es kam, daß Sie in
Wien vom 13. XI. an keinen Brief mehr er=
hielten, was Sie 12 Tage lang mit bewun=
derungswürdiger Geduld u. Sanftmut, u.
dazu noch krank, ertrugen. Am 17. schickte
ich meinen Brief nach Tr.; am Tag darauf
erhielt ich Ihren von W. , in dem Sie schrie=
ben, daß Sie wegen Verkühlung bis 25. in
Wien bleiben, u. daher „sich einen l. langen
Brief für Wien erbitten!“ Für die 10 Tage
v. 15.-25. nur einen Br.! Das schien mir
so bescheiden, anspruchslos, schon gar, wenn
man krank ist, daß ich wirklich auf den
Tom'schen Gedanken kam, Sie müßten Ihre
Gründe haben, nur einen Br. von mir zu
wünschen. Einer aber war schon auf
dem Weg nach Tr. u. würde Ihnen natür=
lich - so dachte ich - nach W. geschickt werden,
ich dürfe also einen zweiten nach Wien
gar nicht mehr schicken! So kalkulieren
deep seeing heros u. geniale Menschen!
Übrigens verhinderte mich der Besuch meiner
Frau 4 Tage lang am Schreiben, u. dann
wäre es ohnehin schon zu spät für einen Br.
nach W. gewesen. Ich schrieb also v. 22. an
bis zum 27. an dem MonstreBrief für Tr.
Am 27. erhielt ich Ihren lieben Br. v. 18.-20., der
5 Tage lang mit dem Starten gewartet hatte.
Ob Sie am 25. wirklich v. W. abgereist waren,
wußte ich aber erst recht nicht. Mein Geist war
mit den schwärzesten Gedanken erfüllt, wie
noch nie. Ich mußte also weiter mit dem Absenden
warten, bis ich Nachricht v. Tr. erhalte, wo, wie
Meine liebe Freundin!
Heute ging mein Brief ab; wann Sie
ihn wohl erhalten werden? wieder erst
in 3 Tagen, wie den letzten? Ach!
Auf die Gefahr hin, Sie zu langweilen, muß
ich Ihnen erklären, wie es kam, daß Sie in
Wien vom 13. XI. an keinen Brief mehr er=
hielten, was Sie 12 Tage lang mit bewun=
derungswürdiger Geduld u. Sanftmut, u.
dazu noch krank, ertrugen. Am 17. schickte
ich meinen Brief nach Tr.; am Tag darauf
erhielt ich Ihren von W. , in dem Sie schrie=
ben, daß Sie wegen Verkühlung bis 25. in
Wien bleiben, u. daher „sich einen l. langen
Brief für Wien erbitten!“ Für die 10 Tage
v. 15.-25. nur einen Br.! Das schien mir
so bescheiden, anspruchslos, schon gar, wenn
man krank ist, daß ich wirklich auf den
Tom'schen Gedanken kam, Sie müßten Ihre
Gründe haben, nur einen Br. von mir zu
wünschen. Einer aber war schon auf
dem Weg nach Tr. u. würde Ihnen natür=
lich - so dachte ich - nach W. geschickt werden,
ich dürfe also einen zweiten nach Wien
gar nicht mehr schicken! So kalkulieren
deep seeing heros u. geniale Menschen!
Übrigens verhinderte mich der Besuch meiner
Frau 4 Tage lang am Schreiben, u. dann
wäre es ohnehin schon zu spät für einen Br.
nach W. gewesen. Ich schrieb also v. 22. an
bis zum 27. an dem MonstreBrief für Tr.
Am 27. erhielt ich Ihren lieben Br. v. 18.-20., der
5 Tage lang mit dem Starten gewartet hatte.
Ob Sie am 25. wirklich v. W. abgereist waren,
wußte ich aber erst recht nicht. Mein Geist war
mit den schwärzesten Gedanken erfüllt, wie
noch nie. Ich mußte also weiter mit dem Absenden
warten, bis ich Nachricht v. Tr. erhalte, wo, wie