Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. o.O., 23.9.1916 - 27.9.1916
nicht reflektiert wurde, hat die Marine
selbst den Verlag übernommen, ich glau=
be, nur 5000 Exemplare drucken lassen,
was dem Bedarf für 12 Jahre entsprach,
worauf wegen des raschen Fortschrittes
der Wissenschaft ohnehin eine neue Aufla=
ge notwendig würde, u. nur ein paar
Hundert Exemplare dem Gerold in Kommis=
sion übergeben. 1902 wandte sich Hofrat
A. Penck, Professor der Geographie an der Wie=
ner Universität, an mich. Er benütze mein
Buch bei seinen Vorlesungen seit Jahren, sei=
ne Hörer können aber das Buch nicht
mehr auftreiben, weil Gerold keines mehr
hat. Ob ich ihm nicht von der Marine 100-200
verschaffen könnte? Ich ließ nachforschen;
das Resultat war, daß das Buch nicht mehr
zu haben ist. Ich habe eines, aber es ist in der
Bücherkiste, die seit 14 Jahren unausgepackt
auf dem Dachboden unserer Wohnung in Wien
liegt, wenn sie überhaupt noch da ist. Wäh=
rend meines 3jährigen Aufenthaltes in Wien
1902-05, hatte ich keine Zeit! 1904 erschien die
Neuauflage. Im ersten Teile „Ozeanographie“,
sind nur wenige Kapitel verändert, der 2.
Teil „Maritime Meteorologie“ ist aber fast ganz
neubearbeitet. An der Neuauflage war ich nicht beteiligt.
Es tut mir leid, daß Sie sich bemüht haben. Das
Buch ist gewiß in keiner Bibliothek der Welt,
außer vielleicht in der Marinebibliothek. Dann
nehme ich es auch da heraus, gebe vor, es ver=
loren zu haben, zahle u. behalte es. Ich werde
die Kapitel bezeichnen, die allenfalls von eini=
gem Interesse, sowie auch jene, die nur zum
Einschlafen gut sind. Daß Sie trotz meiner
Warnung sich nach dem Buche umsahen, ehrt,
freut u. rührt mich noch mehr, als das Suchen von
A. Penck 1902, der dann ein sehr guter Freund von mir
geworden, aber seit 10 Jahren in Berlin ist.