Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. Pola, 5.11.1916 - 9.11.1916
Pola 5. November 1916.
Sehr verehrte liebe Freundin!
Wird dieser Brief je an Sie abgehen?
Oder werde ich, wenn ich Ihren nächsten
Brief gelesen habe, einen ganz neuen
anfangen u. diesen als „zur Vorlage
nicht geeignet” in kleinen Stückchen
den Winden preisgeben? Ich weiß
noch gar nicht, was ich Ihnen jetzt
schreiben will, u. doch zweifle ich
schon, ob es „zur Vorlage geeignet”
sein wird. Halte ich Sie für so wetter=
wendisch, als könnte mich Ihr näch=
ster Brief vor eine ganz neue, un=
erwartete Situation stellen? Oder
ist meine sincerity etwas so Bedingtes,
Unsicheres, daß ich in dem Falle so,
in jenem aber ganz anders reden
könnte? Nichts von all dem. Ihre har=
monische Natur ist das Zuverlässigste,
was ich auf der Welt kenne - womit
ich den Bernardis durchaus nicht kränken
will - , u. dann sind Sie das einzige We=
sen, dem ich ganz freien u. vollen Ein=
blick in meine Seele, u. zw. gern ge=
statten möchte. Woran zweifle ich al=
so? - Tom hält den Zeigefinger senk=
recht vor dem Mund u. macht ein besorg=
tes Gesicht. „Na Tom, was ist?”- „So