Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. o.O., 15.9.1916 - 18.9.1916
Längst war diese, Göttin des Schönen,
aus meiner Behausung, aus die=
ser Öde nackter, harter Tatsachen,
kalter, trockener Gedanken, ent=
rüstet verschwunden.
Da erschienen Sie.
Mir war's wie im Garten von
Mollendo. Flugs war auch die
Göttin des Schönen da, gar nicht
schmollend, sondern huldvoll lä=
chelnd, u. alle 3 Grazien, die wett=
eiferten, Ihnen zu dienen. -
Alles, was die strenge Göttin aus
meiner Seele, wie ich meinte,
ausgestaubt hatte, was aber in
mir nur verdorrt war, sproß
frisch empor u. da begann das
holde Wunder! Wenn Sie sich den
Glauben an Wunder bewahrt
haben, warum sollte ich nicht dar=
an glauben? Da ich es doch leibhaf=
tig vor mir sah, seiner Stimme lausch=
te u. in allen Fibern fühlte, wie es
mir Geist, Herz u. Seele erfrischte,
erquickte, erwärmte, entzückte?
Sollte ich etwa, bevor ich mich dem
Zauber selig hingab, mich mit der
gefühllosen Göttin zu einer Kon=
ferenz zurückziehen u. sie fragen: