Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. Pola, 14.12.1916
Jetzt peinigt mich nur eine Angst: daß
ein Brief von Ihnen kommt, bevor diese
Beichte in Ihren Händen ist. Der Gedanke
ist mir unerträglich, daß Sie ahnungslos
so liebe, gütige innige Worte an mich ver=
schwenden, die Sie dann vielleicht bereu=
en, wenn Sie erfahren, wie garstig
sich Tom gegen Sie vergangen hat. Ich
müßte mir vorkommen, wie ein Heuch=
ler, der einen reichen Schatz von einem
ahnungslosen Freund annimmt, den er
unmittelbar vorher verraten. Ich
kann nichts wollen, was ich nicht ver=
diene, u. wenn mich etwas Verdien=
tes hart getroffen, habe ich mir immer
mit grimmiger Objektivität u. Selbst=
erkenntnis zugeraunt: „Geschieht dir
vollkommen recht!“
Mich u. alle hat es mit Freude er=
füllt, daß der Kaiser auch Triest be=
sucht u. damit dem Wunsch Sr.E. so be=
reitwillig entsprochen hat. Wenn
nur das Wetter nicht gar so abscheu=
lich gewesen wäre!
In warmer Freundschaft u. unbe=
grenzter Verehrung Ihr
A.Haus