Wien, den 19. März 1915
[Vermerk des Briefempfängers, Dr. Anton Bettelheim, in schwarzer Tinte:]
20/III 1915
Lieber Freund! Hausers Brief u. Dank geht Dich mehr an, als mich.
Sieghart's Ehren=Gabe ist aller Ehren wert. Doch erkläre ich
offen, dß ich nicht verstehe, wie die eventuelle Einreihung eines
ungewöhnlich sprachenkundigen, ehrenwerten, schreibfähigen, ar=
beitslustigen Literaten in die Redaktion der Wr. Zg. nur als
„Beamten“=Bestellung ins Auge gefaßt werden könnte. Hauser
eine schriftstellerische Thätigkeit zu sichern, wäre die Hauptsache. Freilich
ist der Zeitpunkt sehr ungeeignet. Herzlich A.Be.
Hochverehrter Herr Doktor!
Gestern erhielt ich einen Brief von Herrn
Dr. Friedjung. Er schreibt mir, dass seine
Bemühungen, mich bei der Wiener Zeitung
unterzubringen, zwar erfolglos geblieben
sind, dass aber Herr Dr. Sieghart ihm erklärt
habe, „einem verdienten Schriftsteller eine
Ehrengabe zuwenden zu können.” Herr Dr.
Friedjung schreibt in überaus zartfühlender
Weise. Ich hoffe, dass es ihm gelingt, mir
diese Hülfe zu verschaffen. Auch sie ver=
danke ich - wie die Hülfe von der Schiller=
stiftung, - Ihnen. Hätte ich diese Hülfe nicht
gehabt, so wäre ich schon jetzt gezwungen
gewesen, den bitteren Gang zu Freunden
zu tun. So wird es mir vielleicht doch
[Vermerk des Briefempfängers, Dr. Anton Bettelheim, in schwarzer Tinte:]
20/III 1915
Lieber Freund! Hausers Brief u. Dank geht Dich mehr an, als mich.
Sieghart's Ehren=Gabe ist aller Ehren wert. Doch erkläre ich
offen, dß ich nicht verstehe, wie die eventuelle Einreihung eines
ungewöhnlich sprachenkundigen, ehrenwerten, schreibfähigen, ar=
beitslustigen Literaten in die Redaktion der Wr. Zg. nur als
„Beamten“=Bestellung ins Auge gefaßt werden könnte. Hauser
eine schriftstellerische Thätigkeit zu sichern, wäre die Hauptsache. Freilich
ist der Zeitpunkt sehr ungeeignet. Herzlich A.Be.
Hochverehrter Herr Doktor!
Gestern erhielt ich einen Brief von Herrn
Dr. Friedjung. Er schreibt mir, dass seine
Bemühungen, mich bei der Wiener Zeitung
unterzubringen, zwar erfolglos geblieben
sind, dass aber Herr Dr. Sieghart ihm erklärt
habe, „einem verdienten Schriftsteller eine
Ehrengabe zuwenden zu können.” Herr Dr.
Friedjung schreibt in überaus zartfühlender
Weise. Ich hoffe, dass es ihm gelingt, mir
diese Hülfe zu verschaffen. Auch sie ver=
danke ich - wie die Hülfe von der Schiller=
stiftung, - Ihnen. Hätte ich diese Hülfe nicht
gehabt, so wäre ich schon jetzt gezwungen
gewesen, den bitteren Gang zu Freunden
zu tun. So wird es mir vielleicht doch