Hofmannsthal, Hugo von: Brief an Raoul Auernheimer. Aussee, 5.9.1917
es an den Tag zu bringen sucht, so müsste es doch
einmal gelingen – aus demselben Fonds von
Begabung, aus dem es möglich ist, solche völlige
Improvisationen, wie die 4 Scenen über die Sie mir
so Freundliches sagen, oder der „Lästigen“ an je 2
oder je 4 Nachmittagen fast ohne Überlegung an einem
Hôtelschreibtisch niederzuschreiben. Oder nicht?
Um solcher Gedanken u. Zweifel willen waren mir Ihre
Zeilen eine so besondere Freude – aber Sie haben
mir einen kleinen Selbstvorwurf, den ich latent in mir
trug, sehr lebendig gemacht: dass ich es unterlassen
konnte, ein paarmal, Ihnen das Freundliche, das
ich Gedanken schon zu ein paar Zeilen mir formulierte,
dann auch wirklich aufs Papier zu bringen: nach
dem M[eran]-Feuilleton – nach der Schilderung einer Donaufahrt,
nach dem Aufsatz über Aristophanes. – Auf Wiedersehen
im October, u. wenn es Ihnen ein bischen Spass machen
kann, zeige ich Ihnen dann weit mehr von diesem
Pseudo-raimund. Es gibt ganze Acte. Herzlich der Ihre H H .