Hohenlohe-Schillingsfürst, Marie zu: Brief an Max von Millenkovich-Morold. o.O., 30.3.1917
FriedStein 30. März /17
Empfangen Sie, verehrter Herr,
meinen aufrichtigsten Dank für
die Zusendung Ihres Liszt-Büchleins, das
mich sehr interessirt hat. Sie setzen so klar
auseinander daß schon die Paraphrasen
fremder Werke des Virtuosen Liszt, den
Grund zu seinem späteren Wirken legten.
Die Transkriptionen sind keine einfachen
Abklatsche der Motive, sondern Umdichtungen
für sein Instrument. Er mußte die
Klangwirkungen des Orchesters genau
studiren, um sie nach Möglichkeit auf
dem Klaviere wiederzugeben. Als er
die Technik des Klaviers aufs höchste gebracht
hatte – ging er naturgemäß auf das ihm
vertraut gewordene erweiterte Gebiet über,
als Dirigent und Komponist. Der von allen
zünftigen Kapellmeistern unisono gegen
ihn erhobene Vorwurf er [sei] aus Launen
in ein ihm fremdes Fach eingedrungen,