Hugelmann, Karl: Brief an Richard von Kralik. Wien, 9.2.1920
DEUTSCHES VOLKSBLATT
WIEN, VIII., JOSEFSGASSE 4-6.
Schriftleitungsanruf Nr. 16702. Fernamtanruf Nr. 19280.
Verwaltungsanruf Nr. 12974.
BuchdruckereianrufNr. 16701.
Postsparkasseneinlage Nr. 16888.
Wien, am 9. Februar 1920 .
Hochverehrter Herr Doktor !
Ich habe mich unendlich über Ihr schönes Gedicht gefreut und
danke Ihnen , verehrter Herr Doktor , ganz ergebenst dafür . Ich werde mir
erlauben , den Beitrag schon in der nächsten Sonntagsnummer zu veröffent-
lichen . Was die Osternummer anlangt , möchte ich meine Bitte aufrechterhal-
ten und freue mich ausserordentlich , dass Herr Doktor geneigt sind , sie zu
erfüllen .
Was nun den Artikel anlangt , den Herr Doktor schreiben wol-
len , wäre es uns natürlich eine ganz besondere Ehre , einen solchen aus
Ihrer Feder zu veröffentlichen , doch habe ich bezüglich des Themas Bedenken .Ich
möchte auf den Vorschlag aus folgenden Gründen derzeit nicht eingehen : Diejenigen ,
die sich selbst stellen wollten , würden gewiss nicht vor dasselbe
Gericht kommen , sondern einzelne vor ein französisches , andere vor ein
englisches , italienisches u,s.w. und es würde bei diesen Gerichten
niemals die Frage der Schuld am Ausbruche des Krieges zur Sprache kommen ,
sondern lediglich die Art der Kriegführung .Meiner Meinung nach könnte durch
eine einstimmige Verwahrung des ganzen deutschen Volkes die Auslieferung
doch noch verhindert werden . Ich halte es deshalb nicht für gut , die Be-
schuldigten durch einen Ratschlag zu veranlassen , dieser meiner Ansicht nach