Innerkofler, Adolf: Brief an Richard von Kralik. Kirchschlag, 24.9.1919
Ermuntert durch Deine Güte, bitte ich denn
um die Arbeit an der Aphorismensammlung.
Gerne übernehme auch ich einen Teil der
Werke. Sooft ich eines lese, finde ich eine
unerschöpfliche Zahl tiefgründiger, auch ganz für
sich wirkender, daher bestens aphoristischer Ge=
danken. Einen tausendseitigen Band traute ich
mich damit zu füllen. Schade daß wir gerade
jetzt das erdrückende Joch der Druck= und
Buchhandelteuerung zu tragen haben !
Sie verurteilen wohl auch meinen Roman
zum ladenhüten. -
Wie staune ich über Deine Arbeitsfrische
und Deinen Fleiß! Ich, der so viel Jüngere,
muß schon froh sein, wenn ich jeden Tag ein
paar Seiten bossele. Dabei liegt erst noch eine
erschlaffende Faulheit in mir.
Und sehr freue ich mich Deines anregenden
Verkehrs. Grüße mir Prof. Oehl aufs Herzlichste.
Wann gibt es wohl ein Wiedersehen?
In Dankbarkeit und Treuen
ganz Dein Schüler
P. Innerkofler
Verzeihe die Nachschrift! Es war gut, daß ich den Brief noch
nicht zugemacht hatte. Eben in der Arbeit der Neuauflage nahm ich wieder
Prof. Castles Artikel vor; nun finde ich, daß der letzte, den ich habe, dessen
3. Fortsetzung ist (15. Juni 1918); diese schließt: „Ein weiterer Artikel
folgt in einer der nächsten Nummern."- Sollte ich den Abschluß, was mir sonst
meines Wissens noch nie geschehen ist, verloren haben, bitte ich, es mir
zu verzeihen. Auf jeden Fall sende mir, wenn möglich, wenigstens
leihweise den Abschluß zu.