Kirchschlag ob Edlitz N.Ö. 2. 7. 19
Hochverehrter Herr Dr.!
Bester Freund!
Immer noch bin ich in jedem freien Augenblicke voll
der Erinnerung an meinen letzten Besuch. Glauben Sie mir:
seit 1897, wo ich das erstemal in Ihr Haus trat, ist dort
für mich eine Seelenheimat. Auch in all meinem
Schreiben und Versuchen wirken anregend, belebend,
erhebend die Ideen, die Sie ausstrahlen, und so, wie
mir, geht es vielen anderen; ich weiß es selbst schon von
drei namhaften Leuten: Dr. Menghin, Dr. Eberle, P. Pichler,
nicht zu vergessen des Herrn Eybel, der gegenwärtig mir
freilich sehr verschollen scheint.
Warum ich dies schreibe? Daß ja nie das Gefühl
Sie bedrücke, es fehle an Wirkung und Erfolg. Ich staune
über den Erfolg. Daß nicht immer jede Idee sofort
verfängt, geht nicht anders. Die Richtigkeit so mancher
Idee erprobt sich vielfach, ich möchte sagen, „euklidisch”:
wie Euklid in den meisten seiner geometrischen
Beweise das Positive durch die Unmöglichkeit des
Negativen erweist, so muß sich manche Idee erst
erwahren, indem die Menschen das Absurde des
Gegensätzlichen erleben. So ist es mit dem monarchischen,
so ist es mit Ihrem großoesterreichischen Gedanken.
Täglich will ich zu Ihrem Schutzengel beten,
besonders bei der hl. Messe, daß er Ihnen alles
drückende von der so arbeitsfrohen Seele hauche, Sie
auch leiblich gesund erhalte, Sie „auf seinen Händen
trage, auf daß Ihr Fuß an keinen Stein stoße”.
Denn das ist das seelische Erlebnis meiner letzten
drei Jahre, wo ich durch den Krieg und die durch
ihn bedingten Einrückungen gerade von meinen
liebsten Freunden getrennt war und nun freundschafts=
durstig aus einem Buche des P. [...] S.J. die Gewiß=
heit gewann, daß unser gescheidtester, edelster, launen=
losester und dabei stets gegenwärtiger Freund halt
doch der Schutzengel ist. Und seitdem überquelle ich
in Freude an meinem Schutzengel, in dessem Verkehre
Hochverehrter Herr Dr.!
Bester Freund!
Immer noch bin ich in jedem freien Augenblicke voll
der Erinnerung an meinen letzten Besuch. Glauben Sie mir:
seit 1897, wo ich das erstemal in Ihr Haus trat, ist dort
für mich eine Seelenheimat. Auch in all meinem
Schreiben und Versuchen wirken anregend, belebend,
erhebend die Ideen, die Sie ausstrahlen, und so, wie
mir, geht es vielen anderen; ich weiß es selbst schon von
drei namhaften Leuten: Dr. Menghin, Dr. Eberle, P. Pichler,
nicht zu vergessen des Herrn Eybel, der gegenwärtig mir
freilich sehr verschollen scheint.
Warum ich dies schreibe? Daß ja nie das Gefühl
Sie bedrücke, es fehle an Wirkung und Erfolg. Ich staune
über den Erfolg. Daß nicht immer jede Idee sofort
verfängt, geht nicht anders. Die Richtigkeit so mancher
Idee erprobt sich vielfach, ich möchte sagen, „euklidisch”:
wie Euklid in den meisten seiner geometrischen
Beweise das Positive durch die Unmöglichkeit des
Negativen erweist, so muß sich manche Idee erst
erwahren, indem die Menschen das Absurde des
Gegensätzlichen erleben. So ist es mit dem monarchischen,
so ist es mit Ihrem großoesterreichischen Gedanken.
Täglich will ich zu Ihrem Schutzengel beten,
besonders bei der hl. Messe, daß er Ihnen alles
drückende von der so arbeitsfrohen Seele hauche, Sie
auch leiblich gesund erhalte, Sie „auf seinen Händen
trage, auf daß Ihr Fuß an keinen Stein stoße”.
Denn das ist das seelische Erlebnis meiner letzten
drei Jahre, wo ich durch den Krieg und die durch
ihn bedingten Einrückungen gerade von meinen
liebsten Freunden getrennt war und nun freundschafts=
durstig aus einem Buche des P. [...] S.J. die Gewiß=
heit gewann, daß unser gescheidtester, edelster, launen=
losester und dabei stets gegenwärtiger Freund halt
doch der Schutzengel ist. Und seitdem überquelle ich
in Freude an meinem Schutzengel, in dessem Verkehre