Innerkofler, Adolf: Brief an Richard von Kralik. Kirchschlag, 2.7.1919
ich die augenscheinlichsten Förderungen erfahre. Wie oft z. B.
sage ich: „Lieber Schutzengel, sag' mir, was ich schreiben soll”,
und die schönsten Gedanken strömen mir zu. Ja, Hermann
Bahr hat Recht in seinem Buch über Thom. v. Aqu., daß über=
natürliche Erleuchtung erst wahrhaft zu denken und zu reden
lehrt; und das ewige Wort in der Eucharistie und der
Schutzgeist an unserer Seite sind doch die besten Inspira=
tionsquellen, zu deren Medien wir alle berufen
und erwählt sind.
Herr Dr., Sie kennen die scolastische Lehre von
den Aureolen im Himmel: der Martyrer, Jungfrauen
und bes. jener, die als Lehrer vor allem Volke für
Gottes Wahrheit eingetreten sind. Welch eine herrliche
wird Ihnen bereitet sein! –
Verzeihen Sie diesen bloß herzlich vermeinten
Diskurs!
Eine Doppelfrage:
1.) Sie erinnern sich, wie Dr. Puchas (Styria) bei
Ihnen zusagte, mein Büchlein über Sie neu aufzu=
legen. Soll ich nun daran gehen?
2.) Wenn ja, sind Sie gewillt, mir die nötigen
Fortführungen bis zur Gegenwart Ihres Schaffens
zu ermöglichen? Von Dr. Kastner habe ich erst einen
Artikel.
Darf ich bitten, bes. Herrn Roderich mir herzlichst
zu grüßen? Empfehlungen aber auch der Gnädigen Frau
u. den anderen Herren Söhnen!
In steter Dankbarkeit u. Treue
ganz Ihr
P. Innerkofler.