Innerkofler, Adolf: Brief an Richard von Kralik. Kirchschlag, 3.10.1917
daß es nun noch viel gewaltiger vorwärts geht. ~ Schon vor anderthalb
Monaten wollte ich, ohne daß ich an Ihren 65. Geburtstag gedacht hätte,
Ihnen einen Glückwunschbrief schreiben: ich entdeckte die Widmung
Hermann Bahrs, der aus einem Antipoden nun Ihr Geleitsmann
geworden ist, und ich entdeckte Sie in einem oesterr. Schul=
buche (!), Lesebuche für die Bürgerschulen. Gott sei Dank! Dieser
Sieg über unsere bekannte Indolenz scheint mir bedeutsam.
Der göttlichen Vorsehung aber muß ich danken auch aus per=
sönlichen Gründen: daß sie mich den Weg zu Ihnen finden
ließ, denn wohl fast alles, was ich bin und kann, verdanke
ich Ihnen. Nehmen Sie es mir daher auch nicht übel, wenn ich
jedesmal irgend einen jungen Menschen mitbringe, sooft
ich zu Ihnen zu kommen die Freude habe: ich halte es für
meine Pflicht, alle meine jungen Leute, die die Vorsehung
mir zuführt, irgendwie auch auf die Ideale zu weisen
und sie dafür zu interessieren, die von Ihnen uns gezeigt
werden. Gelänge es einmal die Mittelschule zu gewinnen,
dann hätten wir gewonnen. Leider bauen unsere Mittelschul=
lehrer fast eine chinesische Mauer dagegen. ~ Die Not der Zeit wird
wohl auch hierin den Staat zwingen, andere Gemütsrichtungen
pflegen zu lassen. -
Nächsten Montag, 8. Okt., komme ich nach Wien um es mir
eigens zu erlauben, nachmittag so um 1/2 4 bei Ihnen vorsprechen
zu dürfen. Ich möchte da auch um Auskunft bitten: 1. über das
Wiener Fest, das so zur Zeit Wolframs v. Eschenb. ca. 1212 gefeiert
wurde u. 2.) über die oberoesterr. Bauernkriege. Beides brauche
ich zu litter. Arbeiten.
Um Ihr gütiges Wohlwollen auch in aller Zukunft
bittet demütigst
Ihr alter Schüler
P. Innerkofler