Jaksch, Friedrich: Brief an August Sauer. Bilin, 31.8.1918
PROMETHEUS FREI!
Friedrich Jaksch.
Schon öffnet sich im Ost ein lichter Schacht,
Durch Nebel tasten morgenrote Finger
Ungläubig novh sich vor aus schwarzem Zwinger;
Ein neuer Tag gebiert sich aus der Nacht.
Müd bin ich.
Wie ich diesen Tag beneide
Um dieser einzgen Stunde Morgenschein,
Um diesen Augenblick: befreit zu werden!
O wär ich Tag und dürft im Kerkerkleide,
Zerfetzt, doch königliche Freuden kosten!
Frei über Welten mit den Sonnenpferden
Hinpeitschen bis die Axen rauchverglossten,
O dann, dann wollt ich neu gefesslt sein!
So aber bin ich an den Fels geschmiedet,
Der faul das Fleisch und nackt die Knochen nagt,
Dass Wunden Stank durchäzt und Eiter siedet,
Und niemals, nirgends mir der Morgen tagt!
Was tat ich? Was? Warum mir diese Qual?
War solcher Strafe wert, was ich gewagt?
Wars Frevel überhaupt und stahl ich? stahl,
Da ich von Götterthronen kühn entführte,
Was Menschen als Besitzes Recht gebührte,
Und ihnen falsch ein falscher Gott versagt?
Der Menschen Elend weckte mein Erbarmen,
Durch Mitleid, das des Gottes Herz nicht rührte,
Reifte in Gotteshass der Plan, Hass gab
Mir Mut. - Ich tats. - Und Feuer in den Armen
Stieg jauchzend als Erlöser ich hinab.
Heischend umdrängt von tausendfachen Händen