Jaksch, Friedrich: Brief an August Sauer. Bilin, 31.8.1918
Ich streute Funken über alle Erde,
Aus ersten freudetrunknen Opferbränden
Erstand ein stilles Glück an heimschen Herde
Und Stimmen schossen aus den Loderflammen
In ungestümem Schwarme ohne Zahl
Auf Phönixschwinge himmelwärts empor
Und schlossen sich zu mächtgem Sturm zusammen
Und jäh ein wolkenbrandender Choral
Schlug des betrogenen Betrügers Ohr.
Da fuhrst du auf, Zeus, Schlafender! Und jagtest
Vernichtungsdräuend deines Zorns Orkan
Zur Erde, türmtest Meere himmelan,
Zerhiebst der Felsen wuchtgefügtes Band,
Doch, die du nimmer aus den Fugen nagtest,
Trotz deiner Allmacht Faust, die Erde - stand!
Von Höhen flammte auf ein Feuerkranz.
Der nimmer du das heilge Gut entzwangst,
Sie stand als Königin im Siegesglanz,
Und einer lebt, der Menschen könnte lehren,
Das neue Schwert wissend gen dich zu kehren!
Da klaffte jäh dein Himmel. - Angebrochen,
Geborsten war dein Götterbaldachin,
In deines Altars Säulen Würmerpochen!
Gott du! Gott? Nein! - Ich sahs - ja! - wie du wanktest
Wie taumelnd du nach letzten Stützen langtest,
Den Schweiss - sah Zittern deinen Leib durchschauern,
Nach deinen Eingeweiden Krallen lauern,
Gespenster hoch auf deinem Nacken kauern!
So bist du Gott? Dein Bild soff meine Gier!
Du bebtest vor Prometheus! Du vor mir!
Ich lachte, da du wie ein Tieger schnobst,
Die Prankenkrallen gegen mich erhobst,
Den Richterflederwisch, die Geissel schwangst,
Und lachte über deine Faltenstirne,
Da ausgemergelt du mit müdem Hirne
Mühsam die schwersten Qualen mir erdachtest.
Und als du mir die glühnden Fessel brachtest,
Hat sich mein Geifer wild nach dir erspien!
Gottmajestät! Ich höhnte deiner Angst!