Kraus eine kleine Freude gemacht hatten, und
nun mußte eine so häßliche Tat diese mir so
kostbare Regung der Freude zerstören. Ich bitte Sie, sehr
geehrter Herr Dr., mich nicht mißzuverstehen. Nicht um
mich handelt es sich. Ich habe durch Jahrzehnte
unermeßlich viel durch Karl Kraus empfangen.
Mein ganzes Leben wurde durch ihn gebildet. Sein
Geist und sein reines Leben waren mir Vorbild und
Führer, Hoffnung und Halt, Weg und Ziel, seine Sprache,
sein Wort und sein Werk immer Trost und Hilfe, Quelle
höchster Freude und Ursprung tiefster Erschütterung.
Nie werde ich auch nur den kleinsten Teil meines Dankes
an ihn abstatten können. Also nicht um mich handelt
es sich, von tiefer Dankbarkeit erfüllt wünsche ich nichts,
als selbst etwas tun zu dürfen.
Seit dem Beginn des Kampfes, den Karl Kraus
gegen Schober führt, habe ich ungezählte male den Ent-
schluß gefaßt und wieder verworfen, aus der Reihe der
Schweigenden herauszutreten. Als Karl Kraus am 13.
Januar mit bleichstem Angesicht, das alle Spuren
des Schmerzes seines für uns alle leidenden Menschen-
herzens spiegelte, von der Unwirksamkeit des Geistigen
sprach, empfand ich es als Anklage gegen jeden von
uns und so auch gegen mich. Denn was tun wir
alle und was tue ich selber anderes, als klatschen
und schweigen!
Und doch schrak ich jedes mal davor zurück,
mich in irgend einer Richtung Karl Kraus zu
nähern, dessen Wunsch, allein zu sein, ich verstehe und
auch dort achten muß, so er gegen einen Schritt von
mir gerichtet ist. Am 13. Januar und an den folgenden
nun mußte eine so häßliche Tat diese mir so
kostbare Regung der Freude zerstören. Ich bitte Sie, sehr
geehrter Herr Dr., mich nicht mißzuverstehen. Nicht um
mich handelt es sich. Ich habe durch Jahrzehnte
unermeßlich viel durch Karl Kraus empfangen.
Mein ganzes Leben wurde durch ihn gebildet. Sein
Geist und sein reines Leben waren mir Vorbild und
Führer, Hoffnung und Halt, Weg und Ziel, seine Sprache,
sein Wort und sein Werk immer Trost und Hilfe, Quelle
höchster Freude und Ursprung tiefster Erschütterung.
Nie werde ich auch nur den kleinsten Teil meines Dankes
an ihn abstatten können. Also nicht um mich handelt
es sich, von tiefer Dankbarkeit erfüllt wünsche ich nichts,
als selbst etwas tun zu dürfen.
Seit dem Beginn des Kampfes, den Karl Kraus
gegen Schober führt, habe ich ungezählte male den Ent-
schluß gefaßt und wieder verworfen, aus der Reihe der
Schweigenden herauszutreten. Als Karl Kraus am 13.
Januar mit bleichstem Angesicht, das alle Spuren
des Schmerzes seines für uns alle leidenden Menschen-
herzens spiegelte, von der Unwirksamkeit des Geistigen
sprach, empfand ich es als Anklage gegen jeden von
uns und so auch gegen mich. Denn was tun wir
alle und was tue ich selber anderes, als klatschen
und schweigen!
Und doch schrak ich jedes mal davor zurück,
mich in irgend einer Richtung Karl Kraus zu
nähern, dessen Wunsch, allein zu sein, ich verstehe und
auch dort achten muß, so er gegen einen Schritt von
mir gerichtet ist. Am 13. Januar und an den folgenden